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Freitag, 2. Oktober 2009

Menschen gegen Devisen - Stasi-Knast Chemnitz-Kaßberg






Chemnitz. Die Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit in Karl-Marx-Stadt am 21. Mai 1986: Kurz nach 13 Uhr öffnet sich ein Tor an der Rückseite zur Kaßbergstraße. Zwei westdeutsche Reisebusse mit DDR-Kennzeichen rollen vom Gefängnishof. Ihr Ziel: die Grenzübergangsstelle Wartha bei Eisenach. Drei Stunden später wird der Busfahrer im Niemandsland auf einen Knopf drücken: Wie im Agentenfilm klappt das DDR-Nummernschild um und ein westdeutsches Kennzeichen kommt zum Vorschein - der Weg in den Westen ist frei.


Es ist eine geheime Fahrt - und doch bleibt sie in Karl-Marx-Stadt nicht unbeobachtet. An der Kreuzung Leipziger Straße/Limbacher Straße, so notiert ein Stasi-Hauptmann seine Beobachtung, warten gegen 13.15 Uhr ein Mann und eine Frau. Als die Ampel auf rot springt, stürzt der Mann auf die Straße, beide winken den Businsassen zu. Dann hat die junge Frau jemanden im Bus entdeckt. Sie rudert mit den Armen und ruft: "Da ist meine Schwester." Was die beiden jungen Leute an diesem Maitag 1986 beobachten, ist zu diesem Zeitpunkt längst Routine geworden. Die DDR verkauft ihre Bevölkerung an den Westen. Politische Häftlinge gegen Devisen - seit 1963 geht das so. Und ab 1964 ist das Stasi-Gefängnis in Karl-Marx-Stadt die zentrale Drehscheibe - offenbar wegen der günstigen Lage. Für jeden DDR-Regimegegner, der auf der Freikaufliste gelandet ist, wird der Kaßberg zur letzten Station auf dem Weg in die Freiheit. Heute, 20 Jahre nach dem Mauerfall scheint dieses Kapitel in der Geschichte des Hauses weitgehend vergessen. Die Aktenlage ist dürftig, eine umfassende Dokumentation gibt es nicht .

Abgeschottet vom MdI - Die Stasi als Staat im Staate


Die Justizvollzugsanstalt auf dem Kaßberg im Jahr 2009. Regierungsoberrätin Susanne Schmelcher und der Sicherheitsbeamte Thomas Wolf schließen den Journalisten die Türen auf. Durch eine Sicherheitsschleuse und Korridore geht es von der früheren Haftanstalt des DDR-Ministeriums des Inneren (MdI) in den Zwischenhof mit dem MfS-Komplex. "Die beiden Bereiche waren hermetisch voneinander getrennt", erinnert sich Thomas Wolf. Der 42-Jährige hatte 1987 im MdI-Gefängnis seinen Dienst begonnen. Als die Wende kam, mussten er und seine Kollegen den MfS-Bereich sichern. "Wir sind mit Ehrfurcht durch die Gänge geschlichen. Das war ja bis dahin so geheim, man durfte nie etwas damit zu tun haben", berichtet Wolf. Die Stasi war der Staat im StaateDie einstige Abteilung XIV der MfS-Bezirksverwaltung ist ein wuchtiger, grauer Bau - von außen viel alte Substanz, von innen teils funktional saniert. In dem für "Sonderaufgaben" bestimmten Verwahrtrakt B waren die Freikauf-Häftlinge untergebracht. "Vogelkäfig" wurde der Flügel in Anspielung an den Rechtsanwalt Wolfgang Vogel genannt, der die Geschäfte im Auftrag der DDR-Regierung abwickelte.Besonders in den 80er Jahren florierte der Menschenhandel zwischen Ost und West - die bankrotte DDR zog bei der Devisenbeschaffung alle Register. Und die Stasi bekam sogar logistische Probleme. In einem Bericht vom Mai 1986 wird etwa über Schwierigkeiten geklagt, die Anlieferungszeiten in Karl-Marx-Stadt einzuhalten. Die Termine würden immer kurzfristiger, Dokumente seien nicht rechtzeitig zu beschaffen. Hinzu kamen, das zeigen Akten der Birthler-Behörde, kuriose "Sonderfahrten" wie im Mai 1986, als ein für den Freikauf bestimmter Häftling von Karl-Marx-Stadt zur Scheidung seiner Ehe nach Wolgast geschickt wird. Die Hektik ist so groß, dass die Stasi erst beim Zwischenstopp in Berlin bemerkt: Der Häftling muss zum Prozess gar nicht anwesend sein. Im Ergebnis notiert ein MfS-Protokollant: "Vier Mitarbeiter vergeuden unnötig einen Arbeitstag und Treibstoff für ca. 600 Kilometer."Die U-Haft war einst der größte Bereich im Stasi-Knast auf dem Kaßberg. Dort sind bis heute Relikte der Vergangenheit geblieben. Vor dem Gefängnisladen, wo sich jetzt Häftlinge mit Brause und Süßigkeiten eindecken, führen vier graue Türen in Kammern von der Größe eines Besenschranks. Weniger als ein Quadratmeter blieb Neuankömmlingen in den Stehzellen vor der ersten Vernehmung. Auch einige Wohnzellen, die heute nicht mehr belegt sind, enthalten noch Original-Inventar: Waschbecken, Plastik-Wasserhahn und Kloschüssel made in GDR. Nur die obligatorischen Glasbausteine, die einst jeden Blick ins Freie verhinderten, wurden ausgebaut.Der Rundgang endet auf dem Hinterhof. Dort spielen Häftlinge Volleyball auf einem modernen Tartanplatz. Vor 20 Jahren sah es dort anders aus: acht Freiboxen aus grauen Mauern, in der Mitte ein Postenturm. In der mit Maschendraht überdachten Anlage, den so genannten "Schweinebuchten", hatten die Inhaftierten ihre tägliche Stunde Freigang zu absolvieren. "Man hätte das alles mal dokumentieren sollen", sagt Sicherheitsmann Wolf. Und Regierungsoberrätin Schmelcher stellt nüchtern fest: "Hier interessiert sich niemand dafür."Alter Arbeitsplatz vor dem Haus: "Das Kapitel ist abgeschlossen" Einer, der erzählen könnte, lebt bis heute nur einen Steinwurf von seinem einstigen Arbeitsplatz entfernt. Wenn Helmut Klinger, MfS-Major a. D., aus einem Küchenfenster schaut, hat er die JVA Kaßberg direkt vor sich. Drinnen war er, wie er sagt, seit der Wende nicht mehr. "Ich wollte mir immer mal anschauen, wie's heute aussieht", berichtet der 82-Jährige. Aber dann hielt ihn doch irgendetwas ab. "Das Kapitel ist für mich abgeschlossen", sagt er.In der 80er Jahren war Klinger stellvertretender Leiter der Stasi-U-Haftanstalt. Er habe für ordentliche Abläufe im Haus gesorgt, fasst er seine Tätigkeit zusammen. Dazu gehörte etwa, dass Räuchermänner und Nussknacker, die ein rund 40-köpfiges Arbeitskommando aus Strafgefangenen fertigte, ordnungsgemäß geliefert wurden. Von den Menschen in den Bussen will er kaum etwas mitbekommen haben: "Das haben alles die Genossen aus Berlin gemacht." Rückblickend rechtfertigt sich Klinger, er habe nach der Nazi-Zeit mithelfen wollen, dass sich so etwas nicht wiederhole. Und schließlich hätten diejenigen, die bei der Stasi in Haft saßen, gegen Gesetze verstoßen. "Wer die Staatsgrenze verletzte, wusste dass das strafbar war."Sabine Popp hatte sich im Sinne der DDR-Gesetze strafbar gemacht. Als Schülerin pinselte sie Ende der 70er Jahre staatskritische Losungen wie "Klassenauftrag Wiedervereinigung und "Mauer weg" auf Straßen und an Mauern im Vogtland. Nachdem sie ein Schulkamerad in Reichenbach verpfiff, wurde sie zu fünf Jahren Haft verurteilt und nach zwei Jahren und drei Monaten freigekauft. Die letzten Tage im "Vogelkäfig" hat sie heute weitgehend aus ihrem Gedächtnis gelöscht - "weil ich eigentlich nicht weg wollte". Dennoch ist Sabine Popp, die heute wieder im Vogtland lebt, rückblickend über jede Minute im Westen dankbar. "Wer weiß, was die in der DDR mit mir noch gemacht hätten."Von Oliver HachStichwort Kaßberg-Gefängnis Das Gefängnis auf dem Kaßberg wurde 1886 als Königlich-Sächsische Gefangenenanstalt errichtet. Sie bestand aus dem Rund- und Verwaltungsbau mit den Flügeln A bis C. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog die sowjetische Militäradministration ein, später wurde daraus die Untersuchungshaftanstalt der MfS-Bezirksverwaltung Karl-Marx-Stadt. Dort saßen nach Angaben der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße in den 80er Jahren bis zu 700 Häftlinge ein. Hinzu kamen 300 weitere im Haus D. Das wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg fertig gestellt und unterstand dem DDR-Ministerium des Innern (MdI). Heute sitzen in der JVA Kaßberg bis zu 200 Straf- und Untersuchungshäftlinge ein. (oha)


Sonntag, 13. September 2009

Die Knäste der Stasi-Teil 3- Rostock

In den 60er Jahren wurde in Rostock ein menschenverachtendes Stasi-Gefängnis in Betrieb genommen. Tausende Regimekritiker wurden hier inhaftiert, in Einzelzellen mit blinden Glasbausteinen anstelle von Gittern. Ausgang gab es nur in den sogenannten "Tigerkäfigen".

Die speziell für politische Häftlinge ausgerichtete Untersuchungshaftanstalt wurde in den 50er Jahren als DDR-weit erste ihrer Art geplant, gebaut und im Herbst 1960 in Betrieb genommen. Drei Zellenetagen mit offiziell 110 Häftlingsplätzen standen in direkter Verbindung zu den Vernehmungsräumen in der benachbarten Stasi-Bezirkszentrale, die zum Neubaukomplex gehörte. Die Einzelzellen in dem Stasi-Knast waren 7,5 Quadratmeter groß. Anstelle von Fenstern wurden blinde Glasbausteine eingebaut. Die Häftlinge sollten nicht sehen können, wo sie sich befinden. Im Keller des Gebäudes gab es vier Dunkelzellen, die nicht mehr im Originalzustand erhalten sind. Zum Freigang wurden die Häftlinge in sogenannte "Tigerkäfige“ geführt. Für Außenstehende bestand keine Möglichkeit, den Innenhof einzusehen. In den umliegenden Häusern wohnten Stasi-Mitarbeiter.

Tausende Regimegegner der DDR machten in dem Untersuchungsgefängnis bittere Erfahrungen mit den Schergen der SED-Diktatur. Die Gründe für quälende Verhöre, Gewaltanwendung und Gefangenschaft waren staatsfeindliche Äußerungen oder Fluchtversuche. So war die 1948 geborene, heute als Reiseschriftstellerin bekannte Carmen Rohrbach nach ihrer todesmutigen und schließlich missglückten Flucht mit einem Schlauchboot über die Ostsee 1974 dort inhaftiert. In Rostock fanden ihre ersten Vernehmungen statt, ehe sie für zwei Jahre in das berüchtigte Frauengefängnis Hoheneck verfrachtet wurde. Sie wurde später von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft. Rohrbach war erschüttert "über die menschenverachtenden Haftbedingungen, die ich im 20. Jahrhundert in einem europäischen Land so nicht vermutet hätte“, wie sie wiederholt bekundet hat.

Am 4. Dezember 1989 kam mit der Wende das Ende des Rostocker Stasi-Objektes, als Bürgerrechtler vor dem Gebäude "Mahnwachen gegen die Vernichtung von Beweismitteln“ errichteten und Einlass erzwangen. Gemeinsam mit der Polizei nahmen damals Bürgerkomitees die Stasi-Bezirkszentrale unter Kontrolle. Im März übernahm der Rostocker Pastor und spätere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, der Volkskammer-Abgeordnete Joachim Gauck, die Leitung des Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des MfS.

(Bilder: Netzseite Gedenkstätte Rostock)



Zelle im Stasi Knast Rostock.













Gänge im Stasi Knast.















Zellentrakt.








Stasi Opfer May-Britt Krüger: Schmerzliche Erinnerungen an den Stasiknast


Das Erste, was May-Britt Krüger beim Betreten des ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnisses in Rostock auffällt, ist der Geruch. "Das riecht noch genauso muffig wie früher." Früher, das war vor 20 Jahren, als Krüger eine der letzten Insassen der Haftanstalt war, bevor die friedliche Revolution dem DDR-Regime ein Ende machte. Im Sommer 1989 war die damals 23-Jährige zusammen mit ihrem Vater und einem befreundeten Pärchen in Richtung Ungarn aufgebrochen. Die Freunde wollten in den Westen fliehen, Krüger wusste davon. Kurz hinter Rostock wurden die Vier gestoppt. Es begann eine dreimonatige Leidenszeit aus Isolation, Überwachung und Verhören. Das ehemalige Gefängnis ist heute eine Dokumentations- und Gedenkstätte. Wo zwischen 1960 und 1989 fast 5000 Männer, Frauen und Jugendliche einsaßen, informieren sich heute pro Jahr rund 14 000 Interessierte über die Geschichte der Anstalt. "Der jüngste Häftling war gerade einmal 14 Jahre alt", sagt der Mitarbeiter der Gedenkstätte, Volker Höffer. Staatsfeindliche Hetze war einer der häufigsten Vorwürfe gegen die Inhaftierten. May-Britt Krüger erinnert sich noch gut an die erste Nacht nach ihrer Verhaftung. "Ich saß in der engen Zelle und habe geweint. Wenn ich mich in die Ecke gesetzt habe, wurde ich gleich ermahnt, da die Ecke von den Wachen durch den Türspion nicht einsehbar war." Am nächsten Tag wurde ihr dann zunächst die Anklage verlesen: Bandenbildung, Mitwisserschaft und versuchte Republikflucht, drohendes Strafmaß bis zu acht Jahre. "Am Abend wurde ich dann zum ersten Mal verhört, der Vernehmer hat mich nur angebrüllt."

Der nächste Vernehmer versuchte es auf die sanfte Tour, erinnert sich Krüger. "Dem musste ich mein ganzes Leben erzählen und er versuchte immer, mir die Vorzüge der DDR zu erklären und was wohl in meinem Elternhaus schiefgelaufen sein musste." Insgesamt 26 Mal wird Krüger verhört. "Aber ich konnte denen gar nicht sagen, was sie hören wollten, weil ich selber nicht wusste, ob ich in Ungarn abgehauen wäre." Als dann auch in Rostock mit der ersten Demonstration die friedliche Revolution begann, konnte Krüger in ihrer Zelle Rufe hören wie "Stasi in die Produktion". "Bei der nächsten Demo ließ die Stasi dann im Innenhof Motoren von Lastwagen laufen, so konnten wir nichts mehr hören." Ob sich die Einsatzkräfte bereithielten, um die Demonstration gewaltsam aufzulösen, lässt sich heute laut Höffer nicht mehr rekonstruieren. Als Krüger dann Ende Oktober im Rahmen der Amnestie für politische Häftlinge entlassen wurde, hätten sie ihre Peiniger noch gewarnt: "Wenn Sie an einer Demonstration teilnehmen, sind Sie schneller wieder hier, als Sie gucken können." So weit kam es dann nicht, die Geschichte verlief anders. Doch die Frau hörte noch jahrelang nachts das Knarren von Stiefelsohlen auf dem Gang, das Geräusch, wenn die Klappe vor dem Türspion weggeschoben wurde oder das Klirren des Schlüsselbundes, der sich im Schloss ihrer Zelle drehte. "Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn jemand einen Schlüsselbund auf den Tisch wirft." Höffer kennt diese Traumatisierungen von vielen ehemaligen Insassen: "Bei vielen hat sich das Geräusch des Schlüssels oder des Türriegels eingebrannt." Viele erinnerten sich auch an ihre Art, mit der Isolation umzugehen. "Einige haben im Stillen Gedichte rezitiert, ein Mathematiker berichtete, er habe immer mathematische Formeln rekonstruiert."

Der Umgang mit den Tätern von damals sei für viele Gefangene heute noch schwierig, weiß Höffer. Die meisten Vernehmer und Aufseher entzögen sich ohnehin der Aufarbeitung. Höffer erinnert sich an eine Begegnung bei der Eröffnung der Gedenkstätte 1999. "Ein ehemaliger Häftling wollte sich noch einmal seine Zelle ansehen und stand dort auf einmal seinem Vernehmer gegenüber, der ihn grüßte wie einen alten Bekannten. Das war zu viel für den Mann, der wie zur Salzsäule erstarrte." Als Krüger ihrem damaligen Vernehmer nach der Wende das erste Mal wiedersah, sei sie zu ihm gelaufen und habe 'Du Vernehmerschwein' gerufen. "Aber wenn ich ihm jetzt begegne, habe ich für mich den Triumph, dass ich heute über das Erlebte reden kann und ihm so zeige, dass er mich nicht gebrochen hat."



Montag, 7. September 2009

Die Knäste der Stasi - Teil 2- Bautzen

Bautzen I

1950 bis 1989
unterstand Bautzen I dem Ministerium des Innern der DDR, Abteilung Strafvollzug. Nach Entlassung der letzten SMT-Verurteilten 1956 wurden nun in erster Linie mehrfach vorbestrafte und wegen schwerer Delikte langzeitverurteilte Kriminelle inhaftiert. Doch gab es daneben auch weiterhin politische Häftlinge: "Saboteure", "Boykotthetzer", Zeugen Jehovas, Republikflüchtlinge u. a. m. Erst mit der friedlichen Revolution 1989 endete die Geschichte des "Gelben Elends" als Ort politischer Verfolgung.

Seit Oktober 1990 ist Bautzen I dem Justizministerium des Freistaates Sachsen unterstellt. Die Justizvollzugsanstalt Bautzen ist heute zuständig für Untersuchungshaft und den Vollzug langer Freiheitsstrafen von männlichen Gefangenen.


Bautzen II

1949-1956
Nach der Übergabe des Gebäudekomplexes an die deutschen Behörden unterstand Bautzen II als Untersuchungsgefängnis anfänglich dem Justizministerium. 1951 wechselte die Zuständigkeit an das Ministerium des Innern und die Anstalt wurde Außenstelle von Bautzen I für den allgemeinen Strafvollzug.

1956-1989
war Bautzen II inoffiziell dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR unterstellt, welches besondere Zugriffs- und Aufsichtsrechte über die Anstalt erhielt. Die Redewendungen vom "Stasi-" oder "Mielkes Privat-Knast" verdeutlichen dieses besondere inoffizielle Unterstellungsverhältnis in markanten Worten. Vorrangig wurde die Haftanstalt als Gefängnis für so genannte Staatsverbrecher genutzt. Viele Häftlinge verbüßten hier langjährige Haftstrafen aus politischen Gründen. Zu den Gefangenen zählten vor allem politische Gegner der SED-Führungsspitze, ausländische Häftlinge, die wegen Spionage oder Fluchthilfe verurteilt worden waren, aber auch straffällig gewordene Funktionäre aus dem DDR-Herrschaftsapparat. Erst mit den gesellschaftlichen Umwälzungen im Herbst 1989 rückte Bautzen II in das Licht der Öffentlichkeit und es begannen erste Entlassungen. Im Dezember 1989 wurden schließlich die letzten politischen Gefangenen freigelassen.

1990-1992 diente Bautzen II wieder als Außenstelle der JVA Bautzen. Im Januar 1992 wurde die Anstalt endgültig geschlossen.




Bautzen II.







Außengelände Bautzen II.

















Zelle .





















Gänge im Gefängnis Bautzen II.












Ein kurzes Video gefilmt im Inneren von Bautzen II:


Sonntag, 6. September 2009

Die Knäste der Stasi-Teil 1- Berlin Hohenschönhausen

Im Zuge der Übergabe sowjetischer Besatzungseinrichtungen an die Verwaltungsbehörden der DDR seit Anfang 1950 wurde das Gefängnis Hohenschönhausen an das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) übergeben, das hier bis zu seiner Auflösung seine zentrale U-Haft-Anstalt betrieb. Im Laufe ihres Bestehens als MfS-Gefängnis wurde die Haftanstalt mehrfach erweitert und umgebaut. Um 1960 ließ die Stasi drei in Hufeisenform angelegte und miteinander verbundene Neubauten auf dem Gelände errichten: Einen Zellentrakt, der im Keller über zwei Gummi-Dunkelzellen verfügte, ein Mehrzweckgebäude und einen Vernehmertrakt, in dem Häftlinge oft stundenlangen Verhören unterzogen wurden. Das »U-Boot«, bis dahin der eigentliche Zellenbau, wurde nur noch vereinzelt, zur Isolationshaft, genutzt. Dieser Trakt diente nun hauptsächlich als Lager- und Materialraum. Im Zuge der Baumaßnahmen des MfS wurden zudem zwei Freiganghöfe errichtet und die frühere Wäscherei der NSV zu einem Haftkrankenhaus umgebaut. Auch zur Zeit der DDR war die Geschichte des Gefängnisses Hohenschönhausen von der Verfolgung politischer Oppositioneller bzw. Verdächtiger geprägt. Die Vorwürfe, die zur Inhaftierung führten, lauteten zumeist auf Boykotthetze, staatsfeindliche Propaganda, Spionage oder Republikflucht. Die Behandlung der Inhaftierten innerhalb der Haftanstalt wandelte sich dabei nach und nach: Der Einsatz physischer Gewalt wich zunehmend psychologischen Methoden. Ein maßgebliches Prinzip der MfS-Haft bestand in der seelischen Zermürbung der Untersuchungshäftlinge durch Orientierungslosigkeit und Isolation. So wussten die meisten Gefangenen nicht, wohin man sie nach ihrer Verhaftung gebracht hatte. Ein direkter Kontakt zur Außenwelt war nicht möglich, und auch innerhalb der Haftanstalt war das Prinzip der Isolation beherrschend. Das Gefühl des Ausgeliefertseins, der Ohnmacht gegenüber einem gleichsam allmächtigen Staatsapparat, bestimmte das Leben der Häftlinge. Das Gelände der Untersuchungs-Haftanstalt war zugleich auch Sitz der Abteilung XIV (Strafvollzug) der Staatssicherheit. In einem direkt angrenzenden Gebäude war die Hauptabteilung IX (Strafrechtliche Ermittlungen) untergebracht.

Die Herkunft der Häftlinge wurde nach der MfS-Übernahme nun noch vielfältiger: Zeugen Jehovas, Spione, Saboteure, Staatsfeinde aller Art und vor allem jene, die der Denunziation zum Opfer gefallen waren, verschwanden hinter den Mauern der Adresse Genslerstraße 66. Vor allem aber landeten immer mehr Kommunisten und Antifaschisten aus den eigenen Reihen in den Zellen, nämlich jene Parteigenossen, die ehrgeizigeren und skrupelloseren Mitstreitern in die Quere gekommen waren und beseitigt werden mußten. Die Revolution fraß ihre eigenen Kinder.
Selbst vor Entführungen ausländischer Staatsbürger schreckte das MfS nicht zurück, wie das Beispiel des Westberliner Rechtsanwalts Walter Linse zeigt, der 1952 in Westberlin gekidnappt und von dort nach Hohenschönhausen entführt wurde. Weitere bekannte Häftlinge, die vor allem bundesweit Schlagzeilen machten, waren Walter Janka, der damalige Leiter des Aufbau-Verlags, der Philosoph Wolfgang Harich und der Publizist Rudolf Bahro. Insbesondere Ende der Achtziger Jahre, also kurz vor dem Ende der DDR, wurden die Inhaftierung der bekannten Dissidenten Bärbel Bohley, Vera Wollenberger, Freya Klier und Stephan Krawzcyk besonders heftig kritisiert – und zwar nicht nur von der westdeutschen Presse und westdeutschen Politikern, sondern zunehmend auch innerhalb der DDR-Bevölkerung, die nicht länger bereit war, die ausufernde Willkür hinzunehmen, was nicht zuletzt auch zu den großen Montagsdemonstrationen geführt hat.

(Bilder: Andre Günther)



Ein Verhörzimmer.














Folterinstrumente.










Auch vor Entführungen schreckte die Stasi nicht zurück. Auf dem Bild zu sehen, ein extra dafür hergerichtetes Auto.




Zellentrakt.











Der "Tigerkäfig".

















Eine Zelle.






Wachturm Berlin Hohenschönhausen.