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Donnerstag, 8. Oktober 2009

1000 Mark pro Todesschuss-Jagd auf DDR Flüchtlinge


Verfaßt von TeamStasiopfer (www.stasiopfer.de) Von Stefan Appelius

Nicht nur an der Mauer, auch an den Grenzen der sozialistischen "Bruderländer" ließ die SED-Führung Jagd auf "Republikflüchtlinge" machen. An bulgarische Grenzer zahlte das Ostberliner Regime offenbar eine regelrechte Kopfprämie für jeden erschossenen DDR-Bürger. Deren Leichen wurden einfach im Grenzstreifen verscharrt.

"Republikflüchtlinge": So hießen im Jargon der SED Bürger, die aus der DDR in den Westen wollten. Den Ost-Berliner Herrschern galten sie als Staatsfeinde und Verbrecher, deren Flucht verhindert werden musste, kostete was es wolle - auch wenn es ihren Tod bedeutete. Bis Ende 1989 starben nach neuesten Erkenntnissen wohl 600 bis 800 Ost-Flüchtlinge an Berliner Mauer und deutsch-deutscher Grenze.

Gezielt getötet wurden DDR-Bürger auf dem Weg gen Westen aber nicht nur an der innerdeutschen Grenze. Auch die Flucht über die sozialistischen "Bruderländer" wie Ungarn oder Bulgarien war brandgefährlich und endete nicht selten tödlich. In der Balkanrepublik am Schwarzen Meer ging es dabei besonders blutig und brutal zu - mit ausdrücklicher Billigung der SED-Oberen in Ost-Berlin.

Nach Aussagen ehemaliger bulgarischer Grenzoffiziere, die die bulgarische Zeitschrift "Anti" schon Anfang 1993 veröffentlichte, zahlte die DDR-Botschaft in Sofia bulgarischen Grenzern für jeden getöteten DDR-Flüchtling eine Prämie in Höhe von 2000 Lewa, damals umgerechnet etwa 1000 D-Mark - im bettelarmen Bulgarien ein kleines Vermögen. Außerdem wurden die Todesschützen mit mehreren Tagen Sonderurlaub ausgezeichnet, eine auch in der DDR und in anderen Ostblockländern übliche Praxis. Ehemalige bulgarische Mitarbeiter der DDR-Botschaft in Sofia bestätigten der Zeitschrift seinerzeit, dass bulgarische Grenzer bei "vereitelten Grenzdurchbrüchen" Kopfgelder aus der DDR erhalten hätten. Der Bericht blieb in Deutschland aber weitgehend unbeachtet.

Im Grenzstreifen verscharrt

Sollten DDR-Behörden tatsächlich Kopfgelder an bulgarische Grenzer für die Tötung fluchtwilliger Bürger gezahlt haben, würde das möglicherweise auch erklären, warum einzelne ostdeutsche Flüchtlinge in Bulgarien mit Schüssen in den Hinterkopf regelrecht exekutiert wurden. Diese Todesart, die zuletzt bei einem Fall aus dem Juli 1989 dokumentiert wurde, wird durch Obduktionsberichte zweifelsfrei belegt.

Menschenverachtend war auch der Umgang mit den sterblichen Überresten der Opfer. Aus jetzt bekannt gewordenen Akten des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS) ergibt sich, dass die Leichen von an der Grenze getöteten DDR-Bürgern in Bulgarien bis Mitte der siebziger Jahre nur in Einzelfällen auf Friedhöfen beigesetzt wurden. In der Regel wurden sie an Ort und Stelle im Grenzstreifen verscharrt - wo sie zum Teil von wilden Tieren gefressen wurden. "Im Grenzgebiet wurden menschliche Gebeine entdeckt, die von Schakalen und streunenden Hunden aus der Erde geholt worden waren", sagt ein der Redaktion einestages namentlich bekannter Hochschullehrer aus Sofia, der jahrelang das Schicksal ostdeutscher Flüchtlinge in Bulgarien erforscht hat.

Beleg für diese unmenschliche Praxis war ein jetzt in Stasi-Akten aufgefundenes Geheimabkommen, das die DDR-Botschaft in Sofia Ende Februar 1975 mit dem bulgarischen Generalstaatsanwalt geschlossen hatte. Darin wurde festgelegt, dass die Leichen der im Grenzgebiet getöteten ostdeutschen "Straftäter" zukünftig zu überführen seien oder auf einem "öffentlichen Friedhof der Volksrepublik Bulgarien" beizusetzen seien - im Umkehrschluss fand dies bis dahin also nicht statt. Die Vereinbarung zwischen DDR und Bulgarien war das Resultat eines jahrelangen Kampfes der Eltern zweier in Bulgarien erschossener ostdeutscher Teenager, deren Leichen spurlos verschwunden waren. Die Eltern hatten sich bei ihrem Ringen um Aufklärung der Todesfälle nicht wie andere Angehörige von den DDR-Behörden einschüchtern lassen.

Ungeklärter Verbleib

Bis heute ist der Verbleib der sterblichen Überreste mehrerer in Bulgarien erschossener DDR-Bürger unbekannt. Einigermaßen sicher ist nur: Verbrannt wurden sie nicht, denn das war in der Bulgarien gesetzlich verboten. Kurz vor Ende der Volksrepublik 1990 untersagte der damalige bulgarische Innenminister Atanas Semerdjiev Grabungen im Grenzgebiet, offiziell um die "Grabesruhe der Toten" zu respektieren, so damals der SPIEGEL. Bis heute mag sich weder das Innenministerium noch die Pressestelle der bulgarischen Grenztruppen zu den damaligen Vorgängen äußern. Interviewanfragen aus Deutschland wurden bisher abgelehnt, jegliche Akteneinsicht verweigert.

Wie viele DDR-Bürger bei Fluchtversuchen in Bulgarien ums Leben kamen, wird wohl niemals genau herauszufinden sein. Nach Angaben bulgarischer Grenzer wurden ganze Familien mit Frauen und Kindern "ausgelöscht". Heute ist aus MfS-Akten bekannt, dass es mindestens 2000 Fluchtversuche von DDR-Bürgern über die bulgarischen Grenzen gab. Doch bisher sind erst 17 ostdeutsche Opfer des bulgarischen Grenzregimes namentlich bekannt.

Kein einziger der Todesschützen unter den bulgarischen Grenzern wurde bis heute rechtskräftig verurteilt, ebenso wenig wie die politisch verantwortlichen früheren Mitglieder des Politbüros der BKP. Im Gegensatz zu anderen Ostblockländern blieben die "Anweisungen zum Schusswaffengebrauch im Grenzgebiet" in der Balkanrepublik auch nach der Wende jahrelang unverändert in Kraft. Das musste auch die deutsche Botschafterin Christel Steffler erleben: Im Sommer 1994 wurde sie von der bulgarischen Polizei von einer Fahrt ins Grenzgebiet abgehalten, weil ihr die dazu erforderliche "Sondererlaubnis" fehlte.

"Das sind DDR-Bürger, die im Ausland ums Leben kamen"

In der Bundesrepublik ist das Interesse für die Aufarbeitung dieses tragischen Kapitels der deutsch-deutschen Geschichte bisher gering. So gelten jene DDR-Bürger, die bei Fluchtversuchen über die "verlängerte Mauer" im Ausland ums Leben kamen, bis heute nicht als Opfer des DDR-Regimes - der Gesetzgeber hat diesen Personenkreis schlicht übersehen. Bis heute fühlt sich niemand zuständig, die sterblichen Überreste dieser Flüchtlinge, soweit ihre Gräber überhaupt bekannt sind, in die Bundesrepublik zu überführen.

Die Gräber all jener an der bulgarischen Grenze erschossenen Deutschen, die in den achtziger Jahren in die DDR überführt und dort beigesetzt wurden, dürfen wegen fehlender Rechtsgrundlage bis heute nicht in "Opfergräber" umgewandelt werden und können damit nicht auf Dauer als Gedenkstätten erhalten werden. Diese Toten seien keine Opfer totalitärer Gewaltherrschaft, sagte die zuständige Sachgebietsleiterin in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf Anfrage: "Das sind DDR-Bürger, die im Ausland ums Leben kamen."

SPON vom 07.11.2007, von Stefan Appelius

Montag, 5. Oktober 2009

Weiterführender Verweis zum Thema Stasi


Mit einem Klick auf das Bild gelangen sie zu weiterführenden Texten und Informationen zum Thema Stasi, Gregor Gysi, Oskar Lafontaine und "Die Linke"......

Freitag, 2. Oktober 2009

Liste ehemaliger Stasi-Offiziere



Durch einen Klick auf das Bild gelangen sie zur Liste ehemaliger Stasi-Offiziere, welche im Jahre 1991 in der "taz" veröffentlicht wurde.

Dienstag, 29. September 2009

Stasi bespitzelte den Papst (J. Ratzinger)


Wie die Bild am Sonntag berichtete, suchten die Stasi-Agenten unter anderem vergeblich nach belastenden Dokumenten aus der Jugend des heutigen Papstes Benedikt XVI. Während des Dritten Reiches.Das Ministerium für Staatssicherheit setzte demnach seit 1974 mindestens acht Agenten der DDR-Auslandsspionage für die Bespitzelung Ratzingers ein. Nur von zweien sei die Identität bislang bekannt. Ratzinger sei von der Stasi als einer der schärfsten Gegner des Kommunismus betrachtet worden, hieß es weiter. Auch die Freundschaft des einstigen Erzbischofs von München-Freising mit dem späteren Papst Johannes Paul II., Karol Woityla, habe dabei eine Rolle gespielt. Dass die Stasi bestens informiert war, belegt demnach die Tatsache, dass ihr Spitzel mit dem Decknamen „IMV Georg“ 1979 die zwei Jahre später erfolgte Berufung Ratzingers zum Vorsitzenden der Glaubenskongregation richtig voraussagte. Die Agenten hätten im Anschluss auch die herausragende Rolle des deutschen Kardinals im Vatikan erkannt. „Ratzinger gilt im Vatikan nach dem Papst und Staatssekretär Casarolli als derzeit einflussreichster Politiker und führender Ideologe“, hieß es demnach in den 80er Jahren in seiner Stasi-Karteikarte. Im Februar dieses Jahres hatte Bild am Sonntag beantragt, Einsicht in die Akten über „Stasi-Einflussnahme auf die Kirchen am Beispiel der Person Ratzingers“ nehmen zu dürfen. Mitarbeiter der Birthler-Behörde fanden verschiedene Dokumente.


Sonntag, 27. September 2009

Glauben sie immer noch, das hat es nie gegeben?

Zum Anschauen der Dokumente einfach drauf klicken!























Das hier vorliegende Dokument zeugt von den Methoden der Stasi, nicht staatskonforme Bürger mit fristlosen Kündigungen und den damit verbundenen sozialen Folgen zu schikanieren.



















Diese Bescheinigung einer Haftanstalt dokumentiert die Untersuchungshaft für Oppositionelle und politisch inkorrekte Bürger. Genaue Berichtführung über Inhaftierte zur Weitergabe an auswertende Stellen waren in Stasi-Knästen an der Tagesordnung.


























Ein Haftbefehl gegen eine Person, die nur aufgrund von Aussagen anderer Inhaftierter, ein Verlassen des DDR-Territoriums, mit Hilfe von Schleuserbanden geplant haben soll. Haftbefehle aufgrund (meist unter Folter) erzwungener Geständnisse, die in ihrer Folge zu langjähriger Haft ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt endeten. Viele dieser Personen verschwanden von einem Tag auf den anderen und tauchten, wenn überhaupt, viele Jahre später psychisch und physisch geschädigt wieder auf.

























Ein Durchsuchungsbericht nach einer stattgefundenen Wohnungsdurchsuchung, die ohne das Wissen der betroffenen Person stattfanden. Diese waren in der DDR an der Tagesordnung. Wie diese Stasi-Wohnungsdurchsuchungen aussehen, können sie in der Rubrik "Video" ansehen.

(Fotos von: www.fiolka.myblog.de)

Sonntag, 6. September 2009

Psycho Folter im Stasi- Knast


Ein kurzer Film über die Verhörmethoden der Stasi im Knast Berlin-Hohenschönhausen. Ehemalige Häftlinge berichten. Um zum Video zu gelangen, einfach auf das Bild klicken.

Tod im Stasi-Knast: Warum starb Matthias Domaschk?

Der Fall des Matthias Domaschk.


Freitag, 10. April 1981: Matthias Domaschk verabschiedet sich am frühen Abend von seiner Freundin, gibt ihr noch einen letzten Kuss und steigt in den D-Zug nach Berlin. Er will zu einer Geburtstagsfeier. Gegen 21 Uhr wird er in Jüterbog von der Transportpolizei geweckt: "Fahrscheinkontrolle! Ausweiskontrolle! Aussteigen!" Stundenlanges Warten. Matthias ist verwundert, Berlin-Verbot hat er nicht, andererseits: Diese Art der Schikane durch die Stasi kennt der 23-Jährige seit er in der Jungen Gemeinde Jena aktiv ist. Er wird in die Stasi-Untersuchungshaft nach Gera gebracht. Knebelketten werden ihm angelegt.

Selbstmord oder Mord?

Samstag, 11. April 1981: 22 Uhr, Ankunft in der U-Haft Gera. Ein Spalier, Bewacher, Gebrüll. Laufschritt. Matthias muss ins "U-Boot". Einzelzelle. Die Tür knallt zu. Es ist eng, keine Liege, kein Fenster, nur ein Hocker. Domaschk wird wieder rausgeholt, muss alles abgeben: Schnürsenkel, Gürtel und auch die Visitenkarte von Rechtsanwalt Schnur. Ohne Unterbrechung wird er bis zum Mittag des 12. April 1981 verhört. 24 Stunden lang. Am frühen Nachmittag ist Matthias Domaschk tot. Nur wenige Wochen vor seiner Hochzeit.

Im Protokoll der Stasi steht, Domaschk habe sich mit seinem Hemd an der Heizung erhängt. Die Umstände des Todes konnten bis heute nicht geklärt werden. War es tatsächlich Selbstmord, eine Verzweiflungstat oder vielleicht sogar Mord? Es gibt keinen Obduktionsbericht.

Matthias Domaschk, geboren am 12. Juni 1957 in Görlitz, kam 1974 für eine Ausbildung nach Jena. Dort beteiligte er sich 1976 an Protesten gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns und wurde seither von der Stasi beobachtet. Wegen seines anhaltenden politischen Engagements wurde er vom Abiturkurs exmatrikuliert. Domaschk gehörte zum Umfeld der Jungen Gemeinde Jena und engagierte sich für einen sozialen Friedensdienst in der DDR als Alternative zur Armeezeit. Am 10. April 1981 wurden er und sein Freund Peter Rösch auf der Fahrt zu einer Geburtstagsfeier nach Berlin verhaftet. Matthias Domaschk starb am 12. April 1981 im Geraer Untersuchungshaftanstalt. Die Frage, ob Domaschk ermordet wurde, einem Unfall zum Opfer fiel oder Suizid beging, ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Im November 2000 kam es zu einem letzten Prozess. Dort sagte Domaschks Freund Peter Rösch als Zeuge aus. Die Strafanzeige der Freiheitsberaubung mit Todesfolge gegen die damaligen MfS-Offiziere wurde abgewiesen, da die Anklage nach DDR-Polizeigesetz verhandelt wurde und die Indizien für eine Verurteilung nicht ausreichten.


Organisierter Kunstraub im Namen der Stasi














Es war der größte Kunstraub der DDR! Am Mittag des 20. September 1977 verschwand aus einer Panzer-Vitrine des Dresdner Stadtmuseums der „Sophienschatz“. 56 goldenen Grabbeigaben (ca. 2,5 Mio. Euro wert) aus den Wettiner-Grüften der 1963 gesprengten Dresdner Sophienkirche. Die Kunst- und Antiquitäten GmbH gehörte zur 1966 gegründeten „Kommerziellen Koordinierung“ (KoKo) der DDR. Vor zehn Jahren tauchten 38 Stücke in Oslo auf. Jetzt führt erstmals eine Spur zu den Tätern: Stasi-Chef Erich Mielke (†2000) ließ das Gold rauben, gegen Devisen verhökern! Zwei Jahre recherchierte die ZDF-Redakteurin Birgit Tanner (32). Heute ist sie sich sicher: „Vieles deutet darauf hin, dass es staatlich organisierter Raub der Stasi war!“ Alles am Diebstahl war mysteriös. LKA--Ermittler Jürgen Oelsner (65): „Es gab damals keine Fingerabdrücke, die Überwachungskamera war manipuliert und der Wachmann just an dem Tag zum Wehrkreiskommando nach Karl-Marx-Stadt bestellt.“ 150 DDR-Kriminalisten verhörten damals 3200 Zeugen – und fanden nichts! Nach Monaten wurde die Akte geschlossen. Als das LKA 1999 Teile des Schatzes beim Osloer Münzhändler Gunnar Thesen (57) beschlagnahmte, kam raus: Er hatte sie aus Kopenhagen von Händler Arne Jacob Becker (†1983). Tanner: „Becker war Mitarbeiter der Kunst- und Antiquitäten GmbH, die zum von der Stasi gelenkten Firmen-Geflecht Kommerzielle Koordinierung (KoKo) gehörte.“ Sie stieß auf den KoKo-Insider Helmut Dohnke (†2009). „14 Tage vor seinem Krebs-Tod im Januar verriet er mir, dass Stasi-Chef Mielke den Raub befohlen hatte. Der Schatz lagerte dann noch rund zwei Jahre in der DDR, bevor er an Becker ging.“ Wo die restlichen 18 Teile des Schatzes (darunter die Königskette aus 1,3 Kilo purem Gold) blieb, ist weiter unbekannt.

Dienstag, 1. September 2009

Haben sie denn alles schon vergessen?


1988. Es ist ein sonniger Tag im August, eigentlich ein Tag wie jeder andere auch, doch heute sind alle in heller Aufruhr. Meine Mutter zieht uns Kindern unsere schönsten Sachen an und mahnt uns zur Eile, wir sollen nicht so herumtrödeln, sonst kommen wir noch zu spät. Wir laufen durch die Straßen, es sind ungewöhnlich viele Menschen unterwegs, auf dem großen Platz vor dem "Zentrum" sind sie alle versammelt. Alt und Jung, Arbeiter, Kinder, es scheint als wäre die ganze Stadt zusammen gekommen. Ich frage meine Mutter warum denn so viele Menschen hier seien und sie antwortet nur kurz, "..die Partei.." . Ich weiß damit nichts anzufangen und frage in meiner kindlichen Neugierde nach "...was ist eine Partei?". "..Sei lieber still.." flüstert meine Mutter und zieht mich schnell an dem Volkspolizisten vorbei, der inmitten der Menschenmenge steht. Er schaut grimmig umher, er macht mir Angst. Als ein Mann die aufgestellte Bühne vor uns betritt, bricht großer Jubel aus, die anwesenden Menschen schwenken ihre mitgebrachten Fähnchen und sind ganz aus dem Häuschen. Der Mann auf der Bühne spricht von Sozialismus und Kollektiv, von erfüllten Plänen und dem großen Bruder Sowjetunion, von Freiheit und das wir in der DDR besser aufgehoben sind als irgendwo anders auf der Welt. Alle jubeln, doch ihre Gesichter sind leer und verzweifelt.

2009. Jahre sind vergangen, ich habe die Mauer fallen sehen, habe Menschen gesehen die sich weinend in den Armen liegen, ich habe Menschen gesehen die unfassbarer Freude von einer besseren Zukunft ohne Überwachung und Stasi sprachen. Heute stehe ich wieder auf jenem Platz. Es ist ein sonniger Tag im August. Es sind nicht die gleichen Menschenmassen wie damals, aber dennoch jubeln sie. Diesmal weiß ich wer der Mann auf der Bühne ist. Gregor Gysi. Und wieder höre ich die gleichen gebetsmühlenartigen Predigen von Sozialismus und Klassenkampf, die gleichen Parolen, die gleichen Versprechungen. Und wieder jubeln sie. Ein Jugendlicher ruft von der Seite "..Mauermörderpartei!..." und wird daraufhin sofort von den Sicherheitskräften abgeführt. Die Menschen scheint dies nicht zu kümmern. Damals ward ihr verzweifelt, eure Gesichter leer und ausdruckslos und heute schaut ihr wieder nur zu, wenn Menschen für ihre freie Meinungsäußerung wie Verbrecher abgeführt werden? Wie konntet ihr so schnell vergessen?

Wolfgang Schäuble und die Stasi Akten


"Nach dem Ende des DDR-Regimes hätte Wolfgang Schäuble die Vergangenheit am liebsten ruhen lassen. Im Zuge der Wiedervereinigung habe er dafür plädiert, alle Akten der Staatssicherheit unbesehen zu vernichten, verriet der damalige und heutige Bundesinnenminister in einem Interview. „Ich habe dazu – genau wie Helmut Kohl – geraten, damit die Streitigkeiten der Vergangenheit nicht zu sehr den Wiederaufbau der neuen Länder und damit die Zukunft belasten“, sagt der CDU-Politiker der Zeitschrift „Super Illu“. „Wir haben dann aber den Wunsch der frei gewählten Volkskammer nach Aufarbeitung respektiert und eine entsprechende Regelung in den Einigungsvertrag aufgenommen. Rückblickend kann man sagen: Wir konnten uns das als größeres, vereintes Deutschland leisten.“ Hätte die DDR wie Polen oder Tschechien alleine den Weg in die Freiheit bewältigen müssen, wäre sie an dieser Form der Vergangenheitsbewältigung womöglich gescheitert, sagte Schäuble. Der CDU-Politiker fügte hinzu, dass trotz der Auswertung der Stasi-Akten „Verletzungen zurückbleiben“. Das sei unvermeidlich. „Viele Opfer des Systems beklagen nach wie vor, ihnen geschehe keine Gerechtigkeit. Gleichzeitig fühlen sich Stützen des damaligen Systems an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Etwas so Fürchterliches wie Teilung und SED-Diktatur wirkt leider nach, so lange Menschen leben, die dieses erlebt haben“, sagte Schäuble."

Quelle:welt.online